Magnum ‹The Serpent Rings› – Review

Ein weiteres Album von Magnum, das jedem Liebhaber von gepflegtem Melodic Rock mit symphonischen Elementen ein befriedigendes Lächeln aufs Gesicht zaubern wird. – 8/10

Obwohl bereits 1972 gegründet und inzwischen mit stolzen zwanzig Studioalben auf dem Zähler, gehören Magnum nicht zum erlesenen Kreis bekannter Rockgrössen. Vielmehr haben sich die Briten um Sänger Bob Catley und Gitarrist Tony Clarkin in all den Jahren zu einer unangepassten Kultband entwickelt, die man stilistisch nur schwer in ein spezifisches Genre zu pressen vermag: Für Hardrock-Verhältnisse zu keyboardlastig, für AOR bzw. Classic Rock zu anspruchsvoll und für Prog Rock wiederum zu schlicht. Magnum haben sich in all den Jahren jeglichen Trends zum Trotz nie verbogen, selbst während den kommerziell grössten Erfolgszeiten in den 80ern nicht – auch wenn aus dieser Zeit mit «Vigilante» oder «Wings of Heaven» mitunter ihre eingängigsten Alben entstanden sind.

Nachdem sich die Band 1995 vorerst aufgelöst hatte, folgte 2002 die Wiedervereinigung. Seither begleitet scheinbar unerschöpflicher Arbeitsfleiss das Gründungsduo, das perfekt zusammen harmoniert. Bob Catleys Stimme hat sich dem Alter entsprechend zwar vertieft, aber nichts von seiner Wirksamkeit und seinem Erkennungswert verloren. Tony Clarkin, der eigentliche musikalische Kopf hinter der Band, gibt mit jedem neuen Album eine Lektion über die Natur des Reifens: selbst in den 70ern unterstreicht er beispiellos, welch begnadeter, poetischer Songschreiber er ist.

Zeigte bereits das 20. Jubiläumsalbum «Lost on the Road to Eternity» (2018) keinerlei Abnützungserscheinungen, so will man gleich zwei Jahre später mit dem neuen Opus «The Serpent Rings» nahtlos anknüpfen. Und mit ‹Where are you Eden?› geht’s sofort gewohnt flott zur Sache. Eingekleidet in ein erdiges und warmes Soundgewand ziehen Magnum erneut alle Register, um den Zuhörer auf ihre eigenwillige musikalische Reise einzustimmen: mit einer Mischung aus nostalgischer Verträumtheit und heroischer Fantasy wird der zugeneigte Zuhörer geradezu zur Tagträumerei verleitet, die mit den folgenden ‹You can’t run faster than Bullets›, ‹Madman or Messiah›, ‹The Archway of Tears›, ‹Not Forgiven› und dem Titeltrack nicht mehr unterbrochen wird. Auch wenn das Referenzalbum «On a Storyteller’s Night» (1985) nach wie vor das unerreichte Nonplusultra in Sachen Sounddichte und Stimmung bildet, kommt dieser erste Part wirklich sehr nahe dran.

Doch dann lässt die Wirkung bei ‹House of Kings› auf einmal nach und man bekommt sie nur noch sporadisch zu spüren. Und man wird das Gefühl nicht mehr los, dass man sich mit dem einen und anderen Füller abfinden muss. Wohlverstanden, ‹The Great Unknown›, ‹Man›, ‹The Last One on Earth› und das abschliessende ‹Crimson on the White Sand› sind allesamt solide und fein ausgearbeitete Songs, fallen aber vom grossartigen Rest ab. Allerdings sollte man im Hinterkopf behalten, dass Magnum bekannt dafür sind, dass einige ihrer Alben mehrere Durchläufe brauchen, um als Ganzes verstanden zu werden und endgültig zu zünden. Wer weiss, vielleicht wird man in einigen Jahren mit «The Serpent Rings» dieselbe Erfahrung machen …

Trotzdem steht fest: Mit «The Serpent Rings» haben Magnum ein weiteres Album abgeliefert, das jedem Liebhaber von gepflegtem Melodic Rock mit symphonischen Elementen ein befriedigendes Lächeln aufs Gesicht zaubern wird.


Ebenfalls publiziert auf whiskey-soda.de

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