Musiktexte und das eigene Weltbild

Während sich die einen zu wenig oder gar keine Gedanken zu Songtexten machen, grübeln andere womöglich zu viel darüber nach. Je nach Song, Stil oder Stimmung würde ich mich beiden Kategorien zuordnen. Deshalb möchte ich kurz meine Erfahrung und meine Sicht zu diesem umstrittenen Thema darlegen.

Musik hat mich bereits als kleiner Knirps fasziniert. Alte Fotos, wo ich mit einem Radio abgeknipst wurde zeugen sogar von Frühstadien, an die ich mich gar nicht mehr erinnern kann. Dass ich bereits mit acht AC/DC oder mit zehn Iron Maiden über die Lautsprecher brettern liess, kann ich hingegen unschwer vergessen. Gedanken über die Texte habe ich mir damals keine gemacht, da die Musik für mich Sprache genug war. Erst später, als man etwas Englisch verstand und allerspätestens, als einem die Rockmusik durch die Sittenpolizei streitig gemacht oder gar verteufelt wurde, wuchs automatisch die Auseinandersetzung damit.
Doch wie wichtig sind Texte eigentlich? Um diese Frage vollständig beantworten zu können, müsste man zuerst sich selbst fragen, wie wichtig einem der Text bzw. dessen Aussage ist. Aber dann müsste man genauso vom Texter wissen, was er damit aussagen wollte und welche Haltung er dazu hat. Und wenn dann das eigene Weltbild oder der ethische Anspruch hinzukommt, kann es durchaus komplex, um nicht zu sagen kompliziert werden.
Lässt man sich darauf ein, ist Musik ein Dialog, bei dem man sich immer wieder dieselbe Frage stellen kann: Wie antwortet es in mir? In anderen Worten: Trifft es meine Stimmung? Beruhigt es mich? Macht es mich aggressiv? Inwiefern beeinflusst es mein Denken und Handeln?

Musik ist ein mächtiges Instrument, das dem Unaussprechlichem und Unbeschreiblichen eine Stimme gibt. Ein Song ist bei seiner Entstehung im besten Fall etwas Unberechenbares, das man zu bändigen und festzuhalten versucht. Zumindest so empfinde ich Musik, wenn ich sie bewusst höre. Und der Text? Ist er nicht plakativ, fällt er mir meistens erst gar nicht auf. Ok, bei Sprechgesang, Rap und dergleichen oder Musik in der Muttersprache ist das eine etwas andere Geschichte …
Ist mir der Inhalt also unwichtig? Das nicht, aber …

… Wenn mir ein Musikstück gefällt, es mich berührt und innerlich etwas unbeschreiblich Wunderbares in mir bewegt, dass es Gänsehaut erzeugt, dann ist das bereits eine ausreichende Antwort. Der Text ist dabei ein Teil des Ganzen, bei dem sich der Künstler höchstwahrscheinlich ganz andere Gedanken gemacht hat, als jene, die ich als Konsument herauszulesen glaube. Und manchmal ist es eben auch bewusst, dass es dem Zuhörer selbst überlassen ist, was er dabei heraushört bzw. -liest.

Eine andere Geschichte ist es hingegen, wenn die Musik zum bewussten Vehikel wird, um irgendwelche, plakativ politischen oder religiösen Botschaften zu vermitteln – manchmal dermassen offensichtlich, dass es schon wehtut. Doch hierbei ist dann auch die jeweilige Zielgruppe klar definiert. Der Hörer wird also unmissverständlich darauf aufmerksam gemacht. Der Umgang damit liegt wiederum im Ermessen des Empfängers. Allerdings dürfte in diesem Fall die Musik selbst eine eher untergeordnete Rolle spielen.

Kurz gesagt: Musik ist zuallererst Musik. Texte können zwar etwas umschreiben, verdeutlichen oder verstärken, aber es bleibt letztlich ein Versuch, Unaussprechliches in Worte zu fassen, wo es bereits vertont wurde.

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