Mirayon ‹A Tale Of Challenging Hope› – Review

Mit diesem mutigen, musikalisch flexiblen Erstling ist den jungen Bernern schon mal der erste Wurf mehr als gelungen. – 8.5/10

Manche Geschichten sind einfach zu komplex, um sie in ein paar Sätzen zusammenzufassen oder sie wirken abgehoben und unglaubwürdig, wenn man sie nicht vollständig und aus allen Perspektiven betrachtet erzählt. Das vorliegende Album «A Tale Of Challenging Hope» (ATOCH) von Mirayon gehört genau in diese Kategorie.

Aus einer ganzen Kette von zusammenhängenden Ereignissen steht Mirayon als ein musikalisches Projekt, das sich mit herausfordernden Gesellschafts- und Lebensfragen auseinandersetzt. So bildet ATOCH ursprünglich ein ambitioniert kompositorisches Werk, das Basser Daniel Schmid für den Masterabschluss geschrieben hat. Wusste es seinerzeit bereits Prüfungsexperten zu überzeugen, so findet es nun durch eine gelungene Produktion sein verdientes Kleid auf einem Tonträger. Durch Gastmusiker ergänzt, ziehen Dario Colombo (Gitarre), Cyril Stoller (Keyboard), Daniel Schmid (Bass) und Silas Q. Bitterli (Gesang) alle Register ihres Könnens, um dem Konzept von ATOCH Leben einzuhauchen.

Zwar lässt sich ATOCH musikalisch dem Prog Rock/Metal zuordnen, doch genau diese Sparte experimentiert ja bekanntlich mit mehreren Einflüssen. Für Schmids Soundvision die perfekte Wahl, da es seine persönliche musikalische Evolution während einer bestimmten Zeitspanne wiedergibt. So rockt es mehrheitlich und generell in den härteren Gefilden, während sich der jazzige und vereinzelt auch funkige Groove durch die Songstrukturen zieht, um dann auch mal gefühlvoll und entspannend das Tempo zu drosseln oder gar ganz herauszunehmen. Hervorzuheben bleibt dabei die Tatsache, dass Mirayon bereits einen ganz eigenen Stil gefunden haben, bei dem man vereinzelt die Einflüsse (wie etwa Muse) zwar heraushört, es aber zu keinem Zeitpunkt als Plagiat klingt.

Wie bei einem Konzeptalbum üblich, lassen sich die einzelnen Songs eher schlecht aus dem Kontext herausreissen – genauso wenig lässt sich dies mit der basierenden Geschichte tun. ATOCH ist, wie der Titel verrät, eine Geschichte über Herausforderungen sowie der Hoffnung, die einem tief verankerten Glauben zugrunde liegen. Dennoch gibt die Vorabsingle ‹I Run Away› (mit dazugehörigem Clip) einen kurzen Einblick in dieses musikalisch-erzählerische Werk.
Somit dürfte der Genuss des Albums als Gesamtwerk die eine und andere Zusatzrunde voraussetzen, um es zumindest ansatzweise in seinen Details erfassen zu können und zu verstehen. Und genau das ist auch die Absicht hinter dem Konzept von ATOCH, sowohl die Herausforderung wie auch die Hoffnung musikalisch nachempfinden zu können.

Ob dies am Schluss aufgeht? Die Antwort ist schnell gegeben: Ja!
Klar, sich in der Prog-Ecke zu bewegen heisst immer auch, besonders unter dem technischen Vergrösserungsglas zu stehen und einer riesigen Konkurrenz ausgesetzt zu sein, doch da dürfen sich Mirayon nicht kleinreden lassen. Luft nach oben gibt es in diesem Sektor zwar immer, aber mit diesem mutigen, musikalisch flexiblen Erstling ist den jungen Bernern schon mal der erste Wurf mehr als gelungen.
Wer sich also auf eine musikalisch-geschichtliche Reise begeben möchte, dem sei «A Tale Of Challenging Hope» wärmstens empfohlen!

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